Montag, 27. Juli 2026

Großglockner Trail 2026 – mein letzter alpiner Ultra?

noch ca. 30 min bis zum Start

Vorbereitung und Verlobung

Die Vorzeichen standen nicht besonders gut. Seit dem Urwaldsteig-Ultratrail am 31. Mai habe ich nicht besonders viele Laufkilometer absolviert. Zunächst stand die Regeneration im Vordergrund und dann „grätschte“ der Urlaub mit meiner Freundin – mittlerweile meiner Verlobten – dazwischen. Also den Urlaub möchte ich gegen keinen Laufkilometer der Welt eintauschen.

Untätig waren wir da natürlich auch nicht, so bestiegen wir unter anderem unseren Verlobungsberg – den Tschirgant. In den 5 Tagen legten wir mit Hund (bei der Besteigung des Tschirgants blieb er aber natürlich zu Hause) und Rucksack über 4.000 Höhenmeter zurück – hoch und natürlich auch wieder runter.

Reine Laufkilometer waren es im gesamten Juni und Juli bis zum Großglockner Trail jedoch nur knapp über 170 und da waren auch nur 4 Läufe um die 20 km dabei. Der einzige kleine Härtetest stand eine Woche vor meiner Alpenexpedition an und dabei lief ich nur 28 km mit 1800 Höhenmeter. Allerdings war die Zeit an dem Tag auch etwas knapp bemessen. Ich hätte bestimmt noch mehr Runden und Höhenmeter über den Wurmberg nach Elfbuchen nahe dem Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel geschafft. Das beruhigte mich zumindest etwas.

Zusätzlich wollte ich unbedingt noch die Watzmannüberschreitung in meinen Minicamper-Ausflug zum Großglockner Ultra-Trail (GGUT) packen. Schließlich möchte ich die Tour im September mit meiner Verlobten gehen und wollte die Tour vorher schon einmal kennenlernen. So ging es eine Woche vor dem Großglockner Trail also nochmal eben schnell über den Watzmann (2.200 Höhenmeter ab Parkplatz Wimbachbrücke). Die Quittung: 3 Tage Muskelkater.

Sogar einen Tag vor dem Großglockner Trail merkte ich meine Oberschenkel noch ganz leicht. Dagegen half auch das straffe Regenerationsprogramm kaum. Wer mich kennt, weiß, dass Abgammeln überhaupt nichts für mich ist. ;-)

Übrigens alles sehr empfehlenswert, bis auf die Abkühlung im Bach.

der erste Anstieg zur Glorer Hütte

Wettkampftag

Am Wettkampftag klingelte um 4 Uhr der Wecker, da bereits um 5 Uhr der Shuttlebus zum Startort nach Kals fuhr, aber ich war natürlich schon vorher wach. Ausrüstung, Rennstrategie, Verpflegung... das alles ging mir ständig durch den Kopf. Auch, dass ich die letzten Tage durch das Nichtstun so viel Zeit für mich allein hatte, war nicht besonders hilfreich. Das heizte das Gedankenkarussell nur noch mehr an.

Die Pflichtausrüstung war natürlich auch ein Thema und ich stand ziemlich bedröppelt da, als ich am Vorabend um 19 Uhr in der Wildnis stand, alles zusammenpackte und sich die Notfallpfeife nicht an der Weste befand. Also schnell nochmal zum Parkplatz am Eventgelände in Kaprun gefahren und verschiedene Läufer gefragt, ob sie noch eine Pfeife übrig hätten. Bereits bei der dritten Gruppe war ich direkt erfolgreich und eine Gegenleistung war nicht erwünscht, obwohl ich darauf bestand. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering war, dass genau dieser Ausrüstungsgegenstand kontrolliert wird, wollte ich kein Risiko eingehen. Natürlich wurde die Pfeife vor dem Start nicht kontrolliert.

Ich bin ein ziemlich emotionaler Mensch, manch einer würde wahrscheinlich auch Heulsuse sagen, und so flossen schon eine halbe Stunde vor dem Start bei mir die Tränen. Und ich muss sagen, dass es so schlimm noch nie war, zumindest nicht schon so früh und vor dem Start. Ich musste mich echt zusammenreißen, hier vor all den krassen Sportlern nicht völlig zusammenzubrechen. Für jemanden, der diese Emotionen am Start nicht kennt, ist das wohl schwer nachvollziehbar. All der Selbstzweifel, der Dank, überhaupt hier stehen zu können, die Vorfreude, das monatelange Training, die Stimmung, die Musik... es prasselt einfach alles auf einen ein. Dann noch mein voller Kopf, wie bereits angesprochen, und meine krebskranke Verlobte allein zu Hause, die ich so sehr vermisste, brachten das Fass zum Überlaufen.

Ich befürchtete das Schlimmste für das Rennen, aber ich glaube, ich hatte tatsächlich nur einmal dieses Hochgefühl am Berg, bei dem die Augen feucht werden. Erst im Ziel kam es dann wieder über mich.

laufbare Kilometer in der Höhe gab es wenige

Kals am Großglockner – Glorer Hütte: Der Start


Vom Start weg ging es direkt mal 1.330 Höhenmeter nach oben zum ersten Verpflegungspunkt, der Glorer Hütte. Hier überholte uns auch Ida-Sophie Hegemann, die an uns Powerhikern einfach vorbeilief, als würde sie entspannt am Bodensee entlang joggen. Dabei hatte sie schon einige Kilo- und Höhenmeter auf dem 84 km langen Osttirol Trail in den Beinen. Sie gewann den OTT übrigens auch mit einem Vorsprung von 2:23 Stunden auf die Zweitplatzierte.

An der Glorer Hütte hatten wir also bereits ein Drittel der absolvierten Höhenmeter in den Beinen und ich fühlte mich noch blendend. Anschließend ging es direkt auf einen 7 km langen Trail im Hochgebirge, der einzig wirklich laufbare Teil hier oben. Alles andere war viel zu steil und technisch, um hier ernsthaft von Laufen reden zu können.

Blick auf die Pasterze, rechts über dem Staudamm das Glocknerhaus

Glorer Hütte – Glocknerhaus: Nahrungsaufnahme vergessen


An der Stockerscharte gegenüber der Pasterze hatte man einen wunderschönen Blick auf diese und dessen Speichersee mit dem Glocknerhaus Kärnten, dem nächsten Verpflegungspunkt. Zunächst musste man aber erst mal über 500 Höhenmeter steil und technisch von hier oben runter laufen.

Am Glocknerhaus passierte mir aber schon der erste Fauxpas, ich vergaß schlichtweg zu essen! Es war extrem voll und ich war so froh meine Softflasks wieder voll bekommen zu haben, dass ich sofort wieder auf die Strecke lief. Dass ich eigentlich immer etwas Wassermelone und Gurke mit Salz an den Verpflegungspunkten zu mir nehmen wollte, ist mir komplett entfallen. Zur Verpflegung später aber mehr, da könnte ich wieder einen ganzen Eintrag für verfassen.

Glocknerhaus – Ferleiten: vom Schneefeld in die 30°


Schneefeld nach der unteren Pfandlscharte
Vom Glocknerhaus ging es wieder 650 Höhenmeter nach oben Richtung Untere Pfandlscharte, wo es nochmal richtig spannend wurde. Beim langen Abstieg von dieser musste man ein mehrere hundert Meter langes Schneefeld queren. Also nicht einfach queren, sondern durch dieses absteigen.

Während andere sich da auf den Hosenboden setzen, zum Teil auch freiwillig, wählte ich die Pistol Squat-Variante. Auf dem Arsch ein Schneefeld hinunterzurutschen ist nämlich nicht ganz ungefährlich. Man nimmt schnell an Fahrt auf und kann eventuell nicht mehr bremsen, wenn es brenzlig wird. Beim Pistol Squat geht man sozusagen auf einem Fuß in die Hocke und streckt das andere Bein nach vorne. Der Schuh am Boden gibt genug Reibung um nicht ganz so schnell zu werden und mit dem anderen kann man bei Bedarf abbremsen.

Irgendwann wurde das Gefälle aber so stark, dass die Bergwacht vor Ort war und mit Seilen ausgeholfen hat. Manche haben sich da echt sehr dämlich angestellt, aber die wurden von der Bergwacht auch aussortiert und nach unten begleitet.

Nach einem wiederholten langen und technischen Abstieg über 1.100 Höhenmeter wurde es richtig öde. Es ging über eine breite Schotterstraße nach Ferleiten, dem vorletzten Verpflegungspunkt. Hier sollte es auch nur Getränke geben, was mir vorher schon bewusst war, aber was das Vergessen der Nahrungsaufnahme am Glocknerhaus noch dramatischer machte. Zum Glück gab es zumindest Salz und Gele.

Um nochmal auf die Schotterstraße zu kommen: Es war nicht nur sehr öde auf dieser zu laufen, sondern im Tal waren auch 30° vorausgesagt. Optimale Bedingungen waren das nicht, da war mir die Höhenluft schon lieber.

In Ferleiten verbrachte ich sehr viel Zeit, fast 15 Minuten. Hier musste ich neben meinen Softflasks auch meine Trinkblase wieder auffüllen und diese nach dem Auspacken wieder in die vollgestopfte, schweißnasse Laufweste zu bekommen, hat mich sehr viel Zeit und Nerven gekostet. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich schlauer gewesen, die Weste erst mal komplett auszuräumen oder die Trinkblase erst gar nicht komplett rauszuziehen.

Auch meine Füße habe ich kontrolliert, da meine rechte Fußsohle etwas schmerzte. Ich befürchtete eine Blasenbildung und wollte dieser vorbeugen, aber es war nur eine Hautfalte, die sich bemerkbar machte, und mir auch im Anschluss keine größeren Probleme mehr bereitete.

30° und öde, breite Schotterwege

Ferleiten – Fusch: die ersten Erschöpfungsanzeichen


Von hier aus ging es mit meiner Leistungsfähigkeit auch stark bergab. Bereits auf dem Weg nach Fusch musste ich drei Pausen einlegen, es ging einfach nicht weiter.

Ich muss gestehen, dass ich jetzt gar nicht mehr nachvollziehen kann, wieso. Eigentlich schob ich meinen Leistungseinbruch bis eben noch, bevor ich die Laufdaten ausgewertet habe, auf die Magenprobleme, aber die hatte ich doch nicht da schon – oder doch?

Mir war auch nicht mehr bewusst, dass ich bereits vor Fusch Pausen einlegen musste. Wäre es da wirklich schon so schlimm gewesen, hätte ich mich dann in Fusch nicht mehr mit dem Thema Ausstieg befasst? Immerhin kam jetzt nochmal ein Berg mit über 650 Höhenmetern und einem krassen, technischen Abstieg. Klar hatte ich in Fusch schon bedenken des anstehenden Berges gegenüber, aber so schlimm?

So langsam dämmert es mir beim Tippen dieser Zeilen doch, dass es mir in Fusch schon gar nicht mehr so gut ging. Ich habe in Fusch meine letzte Salzkartoffel entsorgt, obwohl ich da übelst Lust drauf hatte, aber nach über 12 Stunden im Laufgürtel und den 30° im Tal, habe ich mich nicht mehr getraut, diese zu essen. Zuvor habe ich noch einige Salzkartoffeln gegessen – mehr als geplant – und auf das Gel verzichtet, weil das Gel schon gar nicht mehr so gut runterging.

kurz nach Zieleinlauf

Fusch – Kaprun: Übergeben und weiter?

Es kam, wie es kommen musste. Bei dem letzten Berg habe ich mich mehrmals setzen müssen und ich habe nichts mehr runter bekommen. Immer mal wieder einen Schluck Iso habe ich mir rein gezwungen, da ich für die letzten Stunden ja irgendwie auch noch Energie benötigte.

Mir wurden von einer netten Dame dann Traubenzucker angeboten und ich war froh mal was anderes als Iso oder Gel im Magen zu haben. Dass es danach kurzzeitig bergauf ging, war glaube aber auch nur auf die Psyche zurückzuführen oder vielleicht auch daran, dass der Speichelfluss angeregt wurde.

Es wurde dann nämlich irgendwann so schlimm, dass ich mich nur noch übergeben wollte. Da ich aber nichts im Magen hatte, wollte ich mit Wasser nachhelfen. Das war circa 5 km vor dem Ziel und die Bergwacht fuhr gerade vorbei. Man fragte mich, ob es mir gut ginge und es hätte echt nicht mehr viel gefehlt und ich hätte gesagt, dass sie mich heimbringen sollen – 5 Kilometer(!!!) vor dem Ziel!!!

Nachdem ich aber einige große Schlucke aus der Trinkblase genommen hatte, eigentlich um mich zu übergeben, ging es mir urplötzlich besser – mein Magen beruhigte sich. Anschließend ging es also wieder besser, trotzdem lief ich mit angezogener Handbremse. Mein linkes Knie meldete sich wieder, genau wie beim Urwaldsteig-Ultratrail, und ich hatte Angst, dass mein Magen bei zu vielem Herumgehopse wieder doof macht.

Dabei war der letzte technische Abstieg genau meins. Weniger alpines Hochgebirge, sondern eher bewaldetes Mittelgebirge. Kann man nichts machen und ich war heilfroh, überhaupt wieder laufen zu können und dem Ziel entgegenzukommen.

Im Ziel dann wieder die absolute Ekstase. Die Tränen überkamen mich und ich setzte mich abseits des Trubels in eine Ecke. Ich versuchte mich zu verstecken, aber der Platz war so voll, dass das nicht möglich war. Ein anderer Finisher kam auf mich zu und fragte mich, ob er mir etwas bringen kann und wie stolz ich auf mich sein kann. Das war ich, das konnte man glaube auch sehen. Ich freute mich über die Cola, die zu mir gebrachte wurde, und machte mich später irgendwann, nachdem ich mich etwas erholt hatte, auf dem Weg zum Essen und Duschen.


Analyse und abschließende Worte

3,5 Stunden für die letzten 15 km 🙈
Am Ende wurde ich tatsächlich noch 305. von 554 Starter*innen. Wenn ich bedenke, wie schlecht es mir am Ende ging und wie viel Zeit ich da verloren habe, war das Rennen bis dahin ja phänomenal gut und ich kann mit der Platzierung äußerst zufrieden sein. Man sieht auch an den Abschnittszeiten, wie viel schlechter ich gegen Ende des Rennens wurde. Beim Abschnitt vom Glocknerhaus nach Ferleiten wurde ich noch 151., danach erreichte ich aber nur noch Platzierungen um die 300.

Aber wieso sollte das jetzt eigentlich mein letzter alpiner Ultra sein? Ganz einfach, der Lauf war gegen Ende die Hölle. Ich schwor mir, dass ich diesen Scheiß nie wieder mache. Der ganze Aufwand und die Vorbereitung, das monatelange Training, nur um sich jetzt hier durch die Wildnis zu quälen. Dann bleibe ich doch lieber bei den weniger harten Ultras im Mittelgebirge, die eigentlich schon Herausforderung genug sind. Und wie denke ich jetzt darüber?

Nachdem ich zur Ruhe kam, habe ich die ganzen Probleme einmal analysiert, auch mit Hilfe der KI. Dass es mir nach der Wasseraufnahme urplötzlich besser ging, lässt eigentlich nur eine Schlussfolgerung zu – ich habe mal wieder viel zu wenig getrunken. Das Problem ist mir bekannt und ich hatte eigentlich einen strikten Plan:
  • alle halbe Stunde ein halbes Powergel Hydro von Powerbar oder eine halbe Salzkartoffel
  • an jedem Versorgungspunkt, also circa alle 2 Stunden, müssen beide Softflasks mit hochdosiertem Iso+ von Decathlon leer sein, damit ich diese wieder auffüllen kann
  • jeden verdammten Kilometer werden 1-2 große Schlucke aus der Trinkblase mit reinem Trinkwasser genommen
Während die Aufnahme mit Iso und Gels nach Plan funktionierte, bis zum Ende hin, wo nichts mehr rein ging, fiel das Trinken wieder viel zu spärlich aus. Das merkte ich eigentlich schon in Ferleiten, als ich meine Trinkblase auffüllte und da noch erschreckend viel drin war. Dass das aber wohl das Übel der ganzen Probleme war, das war mir da noch nicht bewusst.

Anfangs trank ich noch regelmäßig, wenn auch schon weniger als geplant, aber später geriet es wieder komplett in Vergessenheit. Das Resultat war, dass der Magen die Zuckersiruppampe aus Gel und Iso nicht mehr abtransportieren und verarbeiten konnte. Außerdem benötigt der Körper die Energie in den Beinen und zum Schwitzen und zieht dabei das Blut aus den Verdauungsorganen ab. Bei Dehydration fährt die Magenaktivität dann fast vollständig herunter. (Quelle: Google Gemini)

Das Kniethema sollte sich eigentlich von allein beheben, wenn ich den Leg Day regelmäßig und konsequent absolviere. Hier handelt es sich um eine Reizung des Tractus iliotibialis (ITBS) oder umlegender Strukturen. (Quelle: ChatGPT)

Das sind ja eigentlich keine unlösbaren Probleme und jetzt, wo ich das weiß, kann ich daran arbeiten, damit es beim nächsten Mal besser läuft.

Montag, 1. Juni 2026

5. Urwaldsteig-Ultratrail

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber gehen wir das Ganze mal chronologisch durch. Der Start war eher eine spontane Entscheidung als Ersatz für den ausgefallenen BiMa-Ultratrail und ich bin froh, überhaupt am Start gestanden haben zu können.

Ende Februar bin ich mal wieder umgeknickt, dieses Mal aber zum Glück nicht ganz so schlimm. Bereits nach 2 Wochen konnte ich schon wieder locker ins Lauftraining einsteigen. Viel schlimmer erwischte es mich dann nur 4 Wochen nach dem Supinationstrauma. Also ich konnte nicht mal 2 Wochen trainieren, da meldete sich das Knie. Zwei Tage nach einem Leg Day, bei dem ich es wahrscheinlich bei den Step-Downs etwas übertrieben (zu viel Gewicht und zu tief runter) habe, hängte ich zwei Tage später, trotz eines leichten Ziehens im Knie, bei dem ich mir nicht viel bei gedacht habe, Intervalltraining dran. Die Tage zuvor war ich schon auf den Herkulestreppen unterwegs und das war für mein Knie dann einfach zu viel. Es dauerte über 2 Wochen, bis ich das erste Mal überhaupt wieder ein paar Kilometer unterwegs sein konnte ich und startete erstmal mit einer leichten Wanderung mit meiner Freundin. In der Folgewoche wurden dann immer mal kleine Läufe eingestreut, um zu schauen, ob sich die Quadrizepssehne wieder meldet. Zum Glück meldete sich das Knie nicht mehr und so waren wir Mitte April schon wieder auf einer größeren Wanderung unterwegs. Über 3 Wochen, nachdem der ganze Spaß los ging, konnte ich auch schon wieder 10 km am Stück ohne Probleme joggen – für den Ultratrail beim Bilstein-Marathon war es aber natürlich zu spät. :-(

Vor dem Großglockner-Trail Ende Juli wollte ich aber auf jeden Fall nochmal irgendein Ding machen und irgendwann ploppte mir der Urwaldsteig-Ultratrail in die Augen. Ich wusste sofort, dass es wahrscheinlich keine gute Idee ist, sich gleich für so einen Klopper anzumelden, aber nach einer Beratung durch ChatGPT tat ich es doch. Wobei man bei ChatGPT glaube echt aufpassen muss. Ich glaube, das schmiert einem gerne Honig ums Maul, damit man davon nicht angepisst ist und es weiter nutzt. Ich ließ mir auch gleich einen Trainingsplan erstellen, an den ich mich größtenteils hielt. Nur 2 Wochen vor dem Urwaldsteig grätschte mir der Speed Trail beim Löwenlauf in Bad Zwesten dazwischen. Das war ja eigentlich das Wochenende für den letzten und längsten langen Lauf, sogar von einem Back-to-back-Run war die Rede, aber ich gab beim Speed Trail nochmal richtig Gas und war überrascht, wie gut ich die 33 km durchkam. Eine Woche nach dem Speed Trail und eine Woche vor dem Urwaldsteig ging es dafür auf eine spontane Back-to-back-Wanderung. Sonntags in und um Hann. Münden nochmal ordentlich Höhenmeter gemacht und montags um 4:30 Uhr sind wir zum Sonnenaufgang auf den Dörnberg gewandert.

So stand ich dann da. Am Start. Mit wenig Laufkilometern in den Beinen. Und 66 Kilo- mit 2000 Höhenmeter vor mir. An all das habe ich tatsächlich aber gar nicht gedacht, irgendwie hatte ich schon wieder nur die Zielzeit im Kopf. Vor 5 Jahren brauchte ich 8:18 Stunden für die Strecke und mindestens das wollte ich wieder schaffen. Total bescheuert, das weiß ich jetzt auch. Direkt nach 100 m musste ich auch schon einmal stoppen und alle vorbeiziehen lassen, der GPX-Track war irgendwie nicht auf meiner Uhr zu sehen. Also Aktivität abgebrochen und die Strecke nochmal neu geladen, das ging dann zum Glück sofort. Dabei war der GPX-Track nur als grobe Orientierung gedacht, tatsächlich sollte man sich an die Kennzeichnung des offiziellen Urwaldsteigs halten. Ich denke, das haben nicht alle gemacht, und auch ich kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich keinen Wegweiser übersehen habe. Gerade auf der ersten Hälfte des Rennens orientierte sich der GPX-Track gerne mal an dem breiten Forstweg und ließ die anspruchsvollen Trails des Urwaldsteigs links und rechts liegen. Folgte man nur dem Track, so hat man sich einige Höhenmeter und äußerst technische Trails erspart.

Die erste Hälfte lief noch ganz gut, aber ich war hier schon wesentlich langsamer unterwegs als noch vor 5 Jahren. Am Verpflegungspunkt nach 33,5 km war ich gestern erst nach 4 Stunden, vor 5 Jahren nach 3:45 Stunden, und der zweite Teil der Strecke ist zwar weniger hügelig, hat dafür aber nochmal richtig lange Up- und Downhills über höhere Berge in sich. Anfangs freute ich mich noch über die Uphills – Gehpausen – aber diese waren immer mal wieder richtig steil und technisch. Insbesondere ca. 1 km vor dem Ziel, wo ich mit den Gedanken schon längst auf dem Sofa war, wurde es ungeplant nochmal richtig eklig. Hier kam auch wieder die Diskrepanz zwischen GPX-Track und Wegweisern ins Spiel. Während der GPX-Track einfach gerade aus dem gut ausgebauten Wanderweg folgte, zeigte der Wegweiser auf einen anscheinend noch nicht ganz so alten Trampelpfad den Hang hinunter. Ich stand da, fast mit Tränen in den Augen: „Das kann doch nicht deren ernst sein!?“ Also quälte ich mich diesen steilen, technischen Abhang hinunter, um mich auf der anderen Seite in die Laufstöcke gepresst wieder hochzuquälen. Bereits 3 km vor dem Ziel und nach dem letzten Aufstieg – dachte ich zumindest – legte ich eine kurze Pause ein. Das war aber tatsächlich die einzige ungeplante Pause während des gesamten Rennens. Einmal beim Regenjacke ausziehen und einmal am Verpflegungspunkt standen meine Beine mal für ein paar Minuten still.

Sorgen bereitete mir zwischenzeitlich auch wieder das Knie. Diesmal nicht das rechte oberhalb der Kniescheibe, wie bei der Sehnenreizung, sondern das linke an der Außenseite. Bei den Downhills tauchte immer wieder ein stechender Schmerz auf, welcher aber kurz danach auch wieder verschwand. Wahrscheinlich hat das Iliotibialband (ITBS) angefangen zu rebellieren, was bei der Belastung nicht unüblich ist. Da der Schmerz aber immer gleich wieder verschwand, sollte mir das keine große Sorgen bereiten. Bis zum Großglockner-Trail liegen ja noch einige Höhenmeter und Leg Days vor mir und das könnte das Problem schon beheben.

Zum Wetter könnte ich auch noch ein ganzes Kapitel schreiben. Anfangs hat es wie vorausgesagt geregnet und das störte mich wenig. Immer noch besser als die 30° vom Vortag. Zwischendurch sollte mal kurz die Sonne scheinen und dann wieder regnen. Während des Sonnenscheins freute ich mich schon wieder auf den Regen und die willkommene Abkühlung, aber es sollte anders kommen. Der Regen blieb aus, es blieb warm und schwül, nur ein Donnergrollen hat man in der Ferne mal vernommen. Und obwohl ich genug zu trinken dabeihatte, hatte ich mal wieder viel zu wenig getrunken. Deswegen bevorzuge ich auch die Softflask, da kann man immer sehen, wie viel man schon getrunken und was man noch an Reserve hat. Bei der Trinkblase im Rucksack ist das leider nicht der Fall. Allerdings brauchte ich die 2,5 Liter, die ich am VP nach 33,5 km nochmal vollgemacht hatte, auf der langen Strecke und konnte mich somit nicht nur auf die beiden Softflasks vorne in der Weste verlassen. Ganz voll machen musste ich die Behältnisse jedoch nicht, da ich wie gesagt zu wenig getrunken hatte. Im Ziel sah ich dann, dass meine Trinkblase noch voller war als am Verpfelgungspunkt. ICH MUSS MEHR TRINKEN!
Auch die Gels gingen irgendwann nicht mehr rein. So nach 50 km nahm ich mal wieder ein Gel zu mir und ich hätte mich fast augenblicklich übergeben. Mein Magen hat gegen dieses süße Zeug rebelliert, was ich bisher eigentlich ganz gut verkraftet habe. Zum Glück hatte ich genug Salzkartoffeln dabei, die sind ein richtiger Gamechanger. Leicht verdaulich, salzig, nicht süß, "echtes" Essen. Ich hatte bisher auch noch nie so viele Kohlenhydrate zu mir genommen. Beim Lebensbogen-Ultra über 50 km reichte mir noch jede halbe Stunde ein halbes Gel ODER eine halbe Kartoffel. Jetzt bei dem Klopper über 66 km wäre das schon etwas knapp gewesen und so nahm ich jede halbe Stunde ein halbes Gel UND eine halbe Kartoffel zu mir. Ich glaube aber nicht, dass die Magenprobleme von den Kohlenhydraten kamen, denn die Kartoffeln konnte ich ganz normal weiter essen.

Nach 8:52 Stunden war ich dann endlich im Ziel und anders als sonst kullerten keine Freudentränen über meine Wangen. Ich war fix und fertig und habe mich erstmal für einige Minuten auf die Mauer gelegt. Der Lauf war aber auch speziell, weil halt privat organisiert und kein Riesenteilnehmerfeld. Ich war eigentlich die ganze Zeit alleine unterwegs und im Ziel erwarteten mich keine Moderation, keine Musik, kein Zielbogen, keine Zuschauer… Das war schon eher eine Expedition als ein Wettkampf und mental sehr herausfordernd. Trotzdem ist der Lauf über den Urwaldsteig wunderschön und ich kann diesen Rundweg um den Edersee jedem nur empfehlen. Jetzt, einen Tag später, blicke ich schon wieder etwas entspannter auf die Zeit von fast 9 Stunden zurück. Nach der Vorgeschichte bin ich megastolz auf mich, es überhaupt bis ins Ziel geschafft zu haben.

Montag, 17. November 2025

Spendenliste November 2025

   

DatumKilometerArtMultiplikatorSpendeKommentar
01.11.202513,31 kmLauf0,1 €/km1,33 €Gassirunde und Kurierdienst
02.11.20255,27 kmLauf0,1 €/km0,53 €nüchterne Gassirunde
02.11.20257,21 kmWandern0,1 €/km0,72 €Schatzi in der Kur besucht
03.11.20251,25 kmLauf0,1 €/km0,13 €Rad aus der Werkstatt holen
04.11.202515,34 kmRad0,1 €/km1,53 €pendeln
04.11.202510,47 kmLauf0,1 €/km1,05 €Gassirunde und Weinbergintervalle
05.11.202515,80 kmRad0,1 €/km1,58 €pendeln
06.11.202515,80 kmRad0,1 €/km1,58 €pendeln
06.11.20254,75 kmLauf0,1 €/km0,48 €Gassirunde
07.11.202515,80 kmRad0,1 €/km1,58 €pendeln
08.11.202515,34 kmLauf0,1 €/km1,53 €Gassirunde extended
09.11.202515,25 kmWandern0,1 €/km1,53 €Wonderwoman Run für und mit Schatzi
10.11.202515,80 kmRad0,1 €/km1,58 €pendeln
11.11.20258,94 kmLauf0,1 €/km0,89 €Gassirunde und Weinbergintervalle
12.11.202515,80 kmRad0,1 €/km1,58 €pendeln
13.11.202515,80 kmRad0,1 €/km1,58 €pendeln
13.11.202511,26 kmLauf0,1 €/km1,13 €Gassirunde extended
15.11.202519,83 kmLauf0,1 €/km1,98 €Premiumwanderweg P4
16.11.20254,06 kmLauf0,1 €/km0,41 €Gassirunde
November 202522,72 €Stand: 17.11.2025
 

Spendenliste Oktober 2025

   

DatumKilometerArtMultiplikatorSpendeKommentar
01.10.202518,56 kmRad0,1 €/km1,86 €pendeln und zum Hund
02.10.202515,34 kmRad0,1 €/km1,53 €pendeln
02.10.20259,00 kmLauf0,1 €/km0,90 €Gassirunde extended
04.10.202516,79 kmLauf0,1 €/km1,68 €Testlauf La Sportiva Cyklon
06.10.20257,53 kmLauf0,1 €/km0,75 €Run2Work
06.10.20257,77 kmLauf0,1 €/km0,78 €Crescendo2Home
07.10.202515,34 kmRad0,1 €/km1,53 €pendeln
18.10.20257,62 kmLauf0,1 €/km0,76 €Gassirunde extended
20.10.20255,4 kmLauf0,1 €/km0,54 €Running in the rain
22.10.202515,34 kmRad0,1 €/km1,53 €pendeln
22.10.202511,81 kmLauf0,1 €/km1,18 €Gassirunde und Hügelsprints
26.10.202510,20 kmLauf0,1 €/km1,02 €Gassirunde extended
28.10.20256,37 kmLauf0,1 €/km0,64 €Gassirunde und Treppenläufe
29.10.202515,34 kmRad0,1 €/km1,53 €pendeln
30.10.202516,88 kmRad0,1 €/km1,69 €pendeln und Rad in die Werkstatt bringen
30.10.20251,45 kmLauf0,1 €/km0,15 €Puls viel zu hoch -> Ruhetag
31.10.20256,93 kmWandern0,1 €/km0,69 €Schatzi in der Kur besucht
Oktober 202518,76 €Stand: 01.11.2025

Da ich nie unter 20 € spenden wollte, auf 20 € aufgerundet.